Gestern ein Erlebnis das sicher zur Unterhaltung schwedischer Bauphysik-Studenten beigetragen hat. Falk (auch Physikstudent aus HD) und ich waren am Dienstag bei einer netten Studienrektorin, um uns schlau zu machen, ob wir eine Meteorologie-Vorlesung hören können. Sie traue uns voll und ganz zu, dass wir in einer schwedischen Vorlesung folgen könnten, und wir sollten am Mittwoch Morgen in den Hambergsaal kommen, gleich links wenn man zum Geocentrum reinkommt. Wir also am nächsten Tag pünktlich vor Ort und ab in den Hörsaal. Als der Prof anfängt kriegen wir erstmal nen Schreck. Ok, es war klar, dass das mit der Vorlesung auf Schwedisch nicht so einfach werden würde, aber über was zum Henker redet der da überhaupt? Wir haben keinen blassen Schimmer. Als der Prof das merkt fragt er uns, wo wir herkommen und fängt dann plötzlich an, auf Deutsch alles zu wiederholen. Peinlich genug, mit 40 schwedischen Studenten im Hörsaal, die plötzlich aus ihrer eigenen Vorlesung quasi ausgeschlossen sind. Der Prof macht weiter auf englisch und wir fragen uns, was bitte Trägerschienen mit Meteorolgie zu tun haben. Ich schau mich vorsichtig um und traue mich schließlich, den Schweden hinter mir zu fragen, wie denn die Vorlesung hieße. Leider ist die Antwort nicht „Atmosfärensfysik“… Wir wägen ab, ob es wohl peinlicher ist, gleich die Vorlesung zu verlassen oder bis zur Pause zu warten. Schließlich mein zaghaftes Aufzeigen: „Ursäkta, we just figured out that we are in the wrong lecture…“. Der Saal tobt. Wir ziehen die Köpfe ein, packen unser Zeug und verlassen schüchtern winkend unter mehrsprachigen Verabschiedungen den Raum. Oh mann.
Archiv für August 2007
Schedule: Atmosfärensfysik, Wed., 29. august, lokal Hamberg
30 August 2007Freiheit!
27 August 2007Davon ein bisschen konnte ich am Wochenende genießen. Thimna und ich haben Samstag Mittag spontan unser Zeug gepackt und sind losgewandert, immer am See entlang, über verschlungene bis komplett verschwundene Pfade, durch lichte Wälder, an Traumstränden. Zur „Perfekten Halben Stunde“ vor Sonnenuntergang waren wir auf einem Felsen einige Meter über dem Wasser und über den Wipfeln der Bäume. Zum Einbruch der Dunkelheit hatten wir ein Plätzchen für unser Zelt auf einer Halbinsel gefunden und auf runden Felsen, die wie Walrücken im Wasser liegen, das letzte Abendrot und ein Vesper genossen. Nach dem Aufstehen und einem Bad im See sind wir weitergelaufen, und weil die Wanderwege ein Ende hatten, ein Stück weitergetrampt bis nach Märsta, von wo wir dann eine fast ebenso schöne Strecke in einem Wald voller Pfade und Blaubeeren nach Sigtuna liefen.
Menschen, Bilder, Emotionen
25 August 2007Nanu, Freitag abend und ich bin nicht auf der Piste? Naja, kommt vor, vor allem, wenn man mitten in der Orientierungswoche ist und eine internationale Party die andre jagt… Heute musste ich mich auf jeden Fall dringend von der gestrigen Kneipentour erholen, oh man, hab ich viel Geld ausgegeben… Und wenig geschlafen…
Stockholm, Kanus und Kribbeln in den Beinen
22 August 2007Zu einem richtigen Schwedenaufenthalt gehören eine Stockholm-Tour und eine Kanufahrt einfach dazu. Stockholm haben wir letzten Samstag abgehakt bei der Kultur-Tour mit unserm bewährten Guide „The Guy With The Red Tie“, der uns in Windeseile durchs Vasa-Museum scheuchte, eine Busrundfahrt durchzog und mit uns durch die Altstadt rannte. Stockholm ist einfach zu groß, um an einem einzigen Tag irgendwas anständig zu besichtigen. Da die Zugfahrt von Uppsala aber nur 40 Minuten dauert und nur 61 Kronen kostet (ca. 7 Euro), werd ich da sicher öfter sein und vor allem das Angebot an Konzerten etc nutzen. Mehr Bilder von unserm Ausflug findet ihr auf der Seite von Birte, Cliff und Daniel .
Das sonntägliche Kaiserwetter haben wir zu einem wunderschönen Ausflug an den See Mälaren genutzt. Erfolgreich bezwangen wir die anfangs sehr stürmische See und fühlten uns am Ende der vier Stunden, in denen wir die Boote geliehen hatten, schon wie alte Seebären. Ich hab mich nicht getraut, meine Kamera mit aufs Wasser zu nehmen, deswegen schaut euch die Bilder von Cliff an.
Seit Dienstag abend ist auch mein lieber Bruder samt Freundin, Kumpeline und Kumpel zu Besuch. Gestern abend konnt ich den vieren ein besonderes Spektakel liefern, nämlich echt schwedisches Langusten-Essen incl. Gehirn aussaugen, schwedische Trinklieder singen und bitteren Schnaps trinken. Heute waren wir in der Stadt unterwegs und haben im Botanischen Garten ganz hervorragende Bilder gemacht, die ihr euch hier anschauen könnt. Heute abend gehen wirs mal ein bisschen ruhiger an, haben Tee getrunken und die Bilder vom Road-Trip der vier angeschaut. Dabei hab ich ein ganz unruhiges Gefühl gekriegt und realisiert, dass ich dringend auch meinen Rucksack packen und loslaufen will, und zwar bald, bevor der Sommer hier entgültig vorbei ist. Am Freitag bin ich bei Johan in der WG zum Essen eingeladen, aber ich überleg, ob ich einfach Samstag früh lostrampen soll, wenns Wetter gut ist. Vielleicht findet sich ja noch jemand, der spontan Lust hat mitzukommen, vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlimm, ein paar Tage allein unterwegs zu sein.
Morgen fahren wir jedenfalls erst nochmal nach Stockholm, dafür lass ich sogar den Unterricht sausen. Mitte nächster Woche fängt wohl mein Semester schon an, nichts Genaues weiß man nicht, irgendwie ist das mit den Stundenplänen hier ziemlich unübersichtlich und von Woche zu Woche unterschiedlich. Muss mal rausfinden, welche Vorlesungen ich jetzt wohl besuchen sollte, die, die ich vor 4 Monaten in mein „Learning Agreement“ schrieben musste, sind schon lang nicht mehr aktuell. Allerdings ist das hier laut meinem Koordinator ganz locker und ich kann mir einzelne Vorlesungen auch erstmal ansehen und dann entscheiden, ob ich das hören will. Ich freu mich jedenfalls auf den Anfang des Semesters, studieren in Schweden kann nur besser sein als in Heidelberg, und ich freu mich drauf, mich ein bisschen spezialisieren zu können und Vorlesungen zu haben, die mich wirklich interessieren.
Vergorener, fermentierter, stinkender Fisch
17 August 2007Alltag in Uppsala: Um 10 saumüde aufstehen, erstmal ins Internet. Dann zur Fika (=Kaffepause, sehr wichtiges Wort!) zu Petra rüber. Noch schnell Hausaufgaben zusammenkritzeln, dann aufs Rad und die ganze Crew auf zum Sprachkurs. Drei mal eine Dreiviertelstunde buchstabieren auf Schwedisch und Einführen in schwedische Gebräuche: Heute ist Surströmming-Tag. Danach mit Thimna, Luisa und Daniel auf zur Upplands-Nation, hoffen, da von der Spezialität kosten zu können. Hamse nich, aber wenn wir eine Dose Fisch kaufen können sie uns den Rest organisieren und uns zeigen, wies geht. Gesagt getan, und jetzt wirds richtig schlimm. Der Gestank, der aus der Dose kommt ist unerträglich. Absolut widerlich. Schlimmer als eine Tonne Biomüll, die zu lange in der Sonne stand. Dass die Fische noch am Stück und gefüllt mit Innereien und schleimigem Laich sind, macht die Sache nicht besser. Der Schwede zeigt uns, wie man die Dinger auseinander nimmt, entleert, von Haut und Gräten befreit und auf eine Scheibe Tunnbröd mit Butter, Kartoffelbrei und Zwiebeln legt. Gaaaaanz wenig nur. Der Geschmack ist am Ende gar nicht so schlecht, aber die ganze Prozedur hat mir so den Appetit verdorben, dass ich davon nichts mehr wissen will.
Naja, wie Daniel sagt: Jetzt können wir einen Haken dahinter machen. Bah.
Als sich mein Magen beruhigt und der Geruch sich endlich verflüchtigt hat gibts erstmal nen fetten Burger mit Ziegenkäse, danach auf zur Stockholms-Nation, die „Posh“-Nation schlechthin (kurze Erklärung: Die Nationen sind sowas wie Studentenverbindungen, die die ungefähr die selben Aufgaben wie das Studentenwerk übernehmen, Biblioteken, Wohnheime haben, Sport-, Theater-, Musik- und andre Klubs anbieten und vor allem günstige Kneipen betreiben, in denen das Bier sogar bezahlbar ist. Wer mehr wissen will lese hier.) Ziemlich schickimicki dort, nix für mich. So, und seit einer Stunde bin ich wieder zu Hause. Das war mein Tag.
Mein Wohnheim oder „Wo ist der Wäscheständer?“
15 August 2007Heute der erste ruhige Abend in meinen zwei Wochen hier in Uppsala. Und endlich Zeit, euch ein bisschen zu erzählen, wie ich hier so lebe. Mein Wohnheim heißt Kantorsgatan und ist etwas nord-östlich vom Stadtzentrum, ca. 10 Minuten mit dem Rad entfernt. Zwar immer noch nicht wirklich zentral, aber kein Vergleich zu Kirchheim… Hier leben um die 1000 Studenten, trotzem ist es ruhig und ganz gemütlich. Mein Zimmer ist ziemlich groß, ca 19qm, mit eigenem kleinen Bad mit Toilette und Waschbecken, die Dusche teile ich mir mit vier andern, genauso die Küche. Kantorsgatan bedeutet auf jeden Fall eine Verbesserung meiner Wohnsituation, obwohl ich am Anfang von Linoleum-Boden und bräunlicher Tapete im kargen Zimmer abgeschreckt war. Ich habs mir ganz gemütlich eingerichtet und bin begeistert über mein eigenes Bad, meinen Vorraum mit Garderobe und riesem Kleiderschrank, meinen eigenen drei (!) Türen und vorallem über die Möglichkeit, kostenlos Wäsche zu waschen! Ich hab auch ein paar Bilder von meinem Zimmer bei Flickr reingestellt.
Die Leute auf meinem Korridor sehe ich nicht oft, allgemein gibts hier sowas wie WG-Leben leider gar nicht. Dafür hab ich ja schon am ersten Abend Petra kennengelernt, die in der 52, gleich um die Ecke wohnt. Zusammen mit Birte, Daniel und Cliff aus Münster sowie Yorck aus Freiburg, Editha aus Littauen und Mieke aus Holland sind wir der harte Kern von „Team Kantorsgatan“. Wir grillen und frühstücken oft zusammen, fahren gemeinsam zum Sprachkurs, zum Einkaufen und zu Ikea, veranstalten Scrubs- oder Spieleabende und machen Partys unsicher.
Zum Beispiel die komplett ausgeartete Party gestern bei der Snerikes-Nation. Ich wusste ja schon von meiner AEGEE-Zeit, dass Erasmusstudenten äußerst kontakt- und partyfreundlich sind, aber dass es nach einer Woche Sprachkurs schon Pärchen gibt hätt ich nicht erwartet… War jedenfalls sehr witzig, was wohl nicht an der Musik lag (war mäßig), sondern eher am gemeinsamen Vorglühen in Rackarberget, einem andern Wohnheim. Dementsprechend lau war der Unterricht heute, es war wirklich fast jeder von den Sprachkurslern da. Immerhin können wir jetzt sagen: „Jag är trött“ (Ich bin müde) und „Jag är backfull“ (Ich habe einen Kater).
Ausflug zum See – Nachtrag zum 4. August
14 August 2007Heute wunderschönstes Sommerwetter, ein See wie aus einem schwedischen Bilderbuch, der Duft von Wald in der Luft, gelegentlich vobeischwimmende Enten und platschende Fische. Ich saß auf einem warmen Stein in der Sonne und konnte die Füße ins laue Wasser baumeln lassen. Ein grandioses Picknick und schlafen in der Sonne. Zum ersten Mal seit langem war ich wirklich entspannt. Ohne schlechtem Gewissen, weil ich noch Theo lernen müsste und ohne eine riesige To Do-Liste im Kopf. Die Zeit vergehen lassen, ganz ohne Stress.
Ich kanns immer noch nicht ganz fassen. Das heute an dem See, das war wie als hätte ich es mir aussuchen dürfen. Da hat einfach alles gestimmt, die Sonne, die Luft, das Wasser. Riesige Libellen und ein Rabe, der circa 1 Meter an meinem aus dem Wasser schauenden Kopf vorbeiflog als Bonus dazu. Und sogar den großen Stein, auf dem man so gut sitzen kann, haben sie extra für mich aufgewärmt und da hin gelegt! Wahnsinn!
Ich hab wirklich Glück mit dem Leben. Verstehs nicht so ganz, wie alles immer genau so kommt, wie ich es mir wünsche. Ich will nach Island, auf einem Bauernhof arbeiten – es wird die schönste Zeit meines Lebens. Ich möchte Physik in Heidelberg studieren – Inzwischen bin ich cand. rer. nat.. Ich will Spanisch lernen und Barcelona sehen – ich hab einen super Sprachurlaub in Barca. Ich will nach Schweden zu meinem Erasmus-Jahr – man lässt mich nicht nur entgegen meiner Erwartung zu, es verspricht auch schon wieder großartig zu werden.
Endlich Nachricht aus Schweden!
5 August 2007Hej tillsammans!
Ja, endlich gibts mal was zu lesen von mir… Ich hab leider immer noch kein Internet im Wohnheimszimmer und bin deswegen nur sporadisch online. Das wird hoffentlich bald anders.
Jetzt muss ich aufholen und euch alle kurz auf den aktuellen Stand bringen. Am Mittwoch bin ich in Uppsala angekommen, erst fünf Tage, und ich fühl mich schon ganz zu Hause. Ich hab schon viele nette Leute kennengelernt – hauptsächlich Internationals, weil die Schweden alle noch bis Ende August in Urlaub sind. Nebenan wohnt Petra aus Südtirol, mit der ich zusammen einkaufe, die Stadt besichtige, zur Uni fahre und abends koche. Gerade sitze ich bei einem andern Kommilitonen, der auch in meinem Wohnheim wohnt, und uns illegalerweise das W-Lan seines Mitbewohners zur Verfügung stellt. Bis eben saßen wir zu sechst in seinem Zimmer und hackten auf unsere PCs ein, glücklich, dass wir endlich mal Internet haben.
Und jetzt will er uns rausschmeißen. Ich bin auch brutal müde, deswegen verschiebe ich alles weitere auf später.
Freu mich über comments, meld mich bald zurück, gute Nacht!






