Auf der Suche nach einer passenden Überschrift für diesen Artikel habe ich festgestellt, dass es verdammt viele Maigedichte gibt. Verblüffend, welchen Einfluss die Sonne hat. In Uppsala sorgt sie dafür, dass die Schweden bei geringen Temperaturzunahmen total aufgeregt aus ihren Löchern kriechen, oben ohne Beachvolleayball spielen, sich im Hof sonnen, plötzlich anfangen Mountain zu biken (ohne Berge…), und allerlei Draußenspiele spielen, zum Beispiel Kubb, ein Spiel bei dem man mit Holzklötzen auf andre Holzklötze wirft. Am Freitag in meiner Mittagspause wurde ich Zeuge eines nicht weniger gehaltvollen Spieles (keine Angst, die Regeln sind einfach) im Hof des MIC (Unigebäude), bei dem verschiedene Teams in einer gewissen Zeit unter den Anfeuerungsrufen vieler Umstehender so viel Bier saufen mussten wie reinging. Die Gewinner haben laut rumbrüllend ihre Männlichkeit kundgetan, ich war hin und weg.
Im MIC werden zur Zeit die Boote für das Forsränning (Rafting) an Valborg gebaut. Am 30. April wirds hier richtig rund gehen, saufen den ganzen Tag, Park zumüllen, andre mit Sekt vollspritzen und zuschauen, wie die Rafter in die Flussbrühe fallen. Na, wird witzig, auch Team-K bereitet sich auf den großen Tag vor und hat heute Grillgut in Massen eingekauft. Das ist DER GROSSE TAG in Uppsala. Bericht folgt am ersten Mai oder so.
Ist eigentlich echt schön hier inzwischen, die Sonne wärmt schon ein bisschen, es ist super lange hell, die Leute lächeln mehr und es ist immer viel los in der Stadt. Von mein Labor aus kann ich die Hüpfburg und das Trampolin sehen, das der Studentenrat organisiert hat, ausserdem kann man Bierkistenstapeln, eine Kletterwand erklimmen und Beachvolleyball spielen oder einfach in der Sonne sitzen und dem Treiben zuschauen. Petra hat mich letzte Woche in die Uni begleitet und einige Fotos in ihren BLOG geladen, dann sehr ihr mal mich bei der Arbeit und auch die ersten Sonnenstrahlen sind dokumentiert. Ganz große Klasse auch ihr Achtziger-Jahre-Kaugummi-Kauen-Video (Daniel mit Schnurrbart – zum Schreien!), und auch sonst ist ihr Blog schon wegen dem hammer Dialekt lesenswert.
Letzte Woche hatte ein Doktorand (jetzt Doktor) seine Dissertation, hab ich mir mal angeschaut; war schmerzhaft, aber er hat bestanden, nach drei Stunden Verteidigen seiner Arbeit vor seinem Gegner. Was ich daraus für meine eigene Diss gelernt habe: Niemals sagen „Weiss ich nicht“ und alle Annahmen die man macht genaustens begründen können. Überhaupt werd ich mich einfach soweit spezialisieren, dass ich die einzige bin, die sich damit auskennt und mir keiner mit dummen Fragen kommen kann. Auch auf die große Dissertationsparty mit Fischbuffet und jede Menge Getränke war ich eingeladen, das ging bis spät in die Nacht und war sehr witzig. Beängstigend war nur, dass ich auf dem Weg, meine Jacke in meinem Büro abzuholen nachts um 12 noch zwei Physiker bei der Arbeit traf. Nerds!
Zum Schluss noch eins der schönsten Frühlingsgedichte:
Die Blumen werden billiger
die Mädchen werden williger
es riecht von den Aborten
kurz – Frühling allerorten
(Erich Kästner)
28 April 2008 um 10:00 |
Danke für die Blumen Vanessi
Bessere Werbung könnte ich mir für meinen Blog nicht wünschen…
und P.S. für alle die mich nicht kennen: ich kann auch richtig Deutsch sprechen, also, so wirklich mein ich, hehe